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1816

9. Das Herz für unser Volk

Ludwig Uhland

An unsrer Väter Taten Mit Liebe sich erbaun, Fortpflanzen ihre Saaten, Dem alten Grund vertraun;

In solchem Angedenken Des Landes Heil erneun; Um unsre Schmach sich kränken, Sich unsrer Ehre freun;

Sein eignes Ich vergessen In Aller Lust und Schmerz: Das nennt man, wohlermessen, Für unser Volk ein Herz.

Was unsre Väter schufen, Zertrümmern ohne Scheu, Um dann hervorzurufen Das eigne Luftgebäu;

Fühllos die Männer lästern, Die wir uns ausgewählt, Weil sie dem Plan von gestern Zu huldigen verfehlt;

Die alten Namen nennen Nicht anders als zum Scherz: Das heißt, ich darf's bekennen, Für unser Volk kein Herz.

Jetzt, da von neuem Lichte Die Hoffnung sich belebt, Und da die Volksgeschichte Den Griffel wartend hebt:

O Fürst! für dessen Ahnen Der Unsern Brust gepocht Und unter dessen Fahnen Die Jugend Ruhm erfocht,

Jetzt, unvermittelt, neige Du dich zu unsrem Schmerz! Ja! du vor allen zeige Für unser Volk ein Herz!

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