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1787–1862

5. Dante .

Ludwig Uhland

War’s ein Thor der Stadt Florenz, Oder war’s ein Thor der Himmel, Draus am klarsten Frühlingsmorgen Zog so festliches Gewimmel?

Kinder, hold wie Engelschaaren, Reich geschmückt mit Blumenkränzen, Zogen in das Rosenthal Zu den frohen Festestänzen.

Unter einem Lorbeerbaume Stand, damals neunjährig, Dante, Der im lieblichsten der Mädchen Seinen Engel gleich erkannte.

Rauschten nicht des Lorbeers Zweige, Von der Frühlingsluft erschüttert? Klang nicht Dante’s junge Seele, Von der Liebe Hauch durchzittert?

Ja! ihm ist in jener Stunde Des Gesanges Quell entsprungen; In Sonetten, in Kanzonen Ist die Lieb’ ihm früh erklungen.

Als, zur Jungfrau hold erwachsen, Jene wieder ihm begegnet, Steht auch seine Dichtung schon Wie ein Baum, der Blüthen regnet.

Aus dem Thore von Florenz Zogen dichte Schaaren wieder, Aber langsam, trauervoll, Bei dem Klange dumpfer Lieder.

Unter jenem schwarzen Tuch, Mit dem weissen Kreutz geschmücket, Trägt man Beatricen hin, Die der Tod so früh gepflücket.

Dante saß in seiner Kammer, Einsam, still, im Abendlichte, Hörte fern die Glocken tönen Und verhüllte sein Gesichte.

In der Wälder tiefste Schatten Stieg der edle Sänger nieder, Gleich den fernen Todtenglocken Tönten fortan seine Lieder.

Aber in der wildsten Oede, Wo er ging mit bangem Stöhnen, Kam zu ihm ein Abgesandter Von der hingeschiednen Schönen;

Der ihn führt’ an treuer Hand Durch der Hölle tiefste Schluchten, Wo sein ird’scher Schmerz verstummte Bei dem Anblick der Verfluchten.

Bald zum sel’gen Licht empor Kam er auf den dunkeln Wegen, Aus des Paradieses Pforte Trat die Freundin ihm entgegen.

Hoch und höher schwebten Beide Durch des Himmels Glanz und Wonnen, Sie, aufblickend, ungeblendet, Zu der Sonne aller Sonnen;

Er, die Augen hingewendet Nach der Freundin Angesichte, Das, verklärt, ihn schauen ließ Abglanz von dem ew’gen Lichte.

Einem göttlichen Gedicht Hat er Alles einverleibet, Mit so ew’gen Feuerzügen, Wie der Blitz in Felsen schreibet.

Ja! mit Fug wird dieser Sänger Als Dante, welchem ird’sche Liebe Sich zu himmlischer verkläret.

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