Ein Fräulein sah vom Schlosse
Hinab in’s tiefe Thal.
Ihr Vater kam zu Rosse,
Er trug ein Kleid von Stahl.
„willkomm, Herr Vater, Gottwillkomm!
Was bringst du deinem Kinde?
Ich war wohl still und fromm.“
„mein Kind im weissen Kleide!
Wohl hab’ ich dein gedacht.
Die Blumen sind dein’ Freude,
Mehr als des Goldes Pracht.
Das Blümlein, klar wie Silber, hier
Nahm ich dem kühnen Gärtner,
Gab ihm den Tod dafür.“
„wie war er so verwegen?
Warum erschlugst du ihn?
Er thät der Blümlein pflegen,
Die werden nun verblühn.“
„er hat mir wunderkühn versagt
Die schönste Blum’ im Garten,
Die spart’ er seiner Magd.“
Das Blümlein lag der Zarten
An ihrer weichen Brust.
Sie ging in einen Garten,
Der war wohl ihre Lust.
Da schwoll ein frischer Hügel auf,
Dort bei den weissen Lilien,
Sie setzte sich darauf.
„o könnt’ ich thun zur Stunde
Den lieben Schwestern gleich!
Doch’s Blümlein gibt kein’ Wunde,
Es ist so zart und weich.“
Auf’s Blümlein sah sie, bleich und krank,
Bis daß ihr Blümlein welkte,
Bis daß sie niedersank.