In den abendlichen Gärten
Ging die Gräfin Julia.
Fatiman, Almansors Neffe,
Hat die Schöne dort erhascht;
Flieht mit seiner süßen Beute
Durch die Wälder, Nacht und Tag,
Zehn getreue Mohrenritter
Folgen ihm gewappnet nach.
In des dritten Morgens Frühe
Kommen sie in jenen Wald,
Wo auf einem grünen Hügel
Sankt Georgs Kapelle ragt.
Schon von Weitem blickt die Gräfin
Nach des Heil’gen Bild hinan,
Welches ob der Kirchenpforte,
Groß in Stein gehauen, prangt:
Wie er in des Lindwurms Rachen
Mächtig sticht den heil’gen Schaft,
Während, an den Fels gebunden,
Bang die Königstochter harrt.
Weinend und die Hände ringend,
Ruft die Gräfin Julia:
„sankt Georg, du heil’ger Streiter,
Hilf mir aus des Drachen Macht!“
Siehe! wer auf weissem Rosse
Sprengt von der Kapell’ herab?
Goldne Locken wehn im Winde
Und der rothe Mantel wallt.
Mächtig ist sein Speer geschwungen,
Trifft den Räuber Fatiman,
Der sich gleich am Boden krümmet,
Wie der Lindwurm einst gethan.
Und die zehen Mohrenritter
Hat ein wilder Schreck gefaßt,
Schild und Lanze weggeworfen,
Fliehn sie über Berg und Thal.
Auf den Knieen, wie geblendet,
Liegt die Gräfin Julia:
„sankt Georg, du heil’ger Streiter,
Sey gepriesen tausendmal!“
Als sie wieder hebt die Augen,
Ist der Heil’ge nicht mehr da,
Und es geht nur dumpfe Sage,
Daß es Paskal Vivas war.