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1787–1862

1. Der Recensent .

Ludwig Uhland

Schönste! du hast mir befohlen, Dieses Thema zu glossiren; Doch ich sag’ es unverhohlen: Dieses heißt die Zeit verlieren,

Und ich sitze wie auf Kohlen. Liebtet ihr nicht, stolze Schönen! Selbst die Logik zu verhöhnen, Würd’ ich zu beweisen wagen,

Daß es Unsinn ist, zu sagen: Süsse Liebe denkt in Tönen. Zwar versteh’ ich wohl das Schema Dieser abgeschmackten Glossen,

Aber solch verzwicktes Thema, Solche räthselhafte Possen Sind ein gordisches Problema. Dennoch macht’ ich dir, mein Stern!

Diese Freude gar zu gern. Hoffnunglos reib’ ich die Hände, Nimmer bring’ ich es zu Ende, Denn Gedanken stehn zu fern.

Laß, mein Kind! die span’sche Mode, Laß die fremden Triolette, Laß die wälsche Klangmethode Der Kanzonen und Sonette,

Bleib bei deiner sapph’schen Ode! Bleib der Aftermuse fern Der romantisch süßen Herrn! Duftig schwebeln, luftig tänzeln

Nur in Reimchen, Assonänzeln, Nur in Tönen mag sie gern. Nicht in Tönen solcher Glossen Kann die Poesie sich zeigen;

In antiken Verskolossen Stampft sie besser ihren Reigen Mit Spondeen und Molossen. Nur im Hammerschlag und Dröhnen

Deutschhellenischer Kamönen Kann sie selbst die alten, kranken, Allerhäßlichsten Gedanken, Alles, was sie will, verschönen.

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