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1912

Zu tun! Zu tun!

Kurt Tucholsky

Heute lese ich da in der Zeitung: In Los Angeles gibts einen Schnapsverein, und man befürchtet seine Verbreitung in dem übrigen Land – dabei fällt mir ein:

Ich sollte mal wieder an Edith schreiben (in Kalifornien) – seit Januar liegt der Brief da, und ich laß es bleiben und verschieb es nun schon ein halbes Jahr.

Das ist nicht richtig. Es nimmt mir die Ruh. Aber . . . ich komme nicht dazu. Der Arzt sagt, ich soll mir Bewegung machen. Da gibt es so eine Schule für Sport . . .

Auf dem Boden liegen noch alte Sachen, die sollten doch längst für die Armen fort! Bin ich an Vaterns Grab gewesen? Ich nehm es mir vor – und dabei wirds nie.

Das Gelbbuch wollte ich immer mal lesen, das und Simmels Soziologie. Wie oft wollt ich schon nach Friedrichsruh! Aber . . . ich komme nicht dazu.

Einstmals, wenn die Posaunen schallen, steigt auf der Berliner aus seinem Grab. Und er steht in der ersten Reihe vor allen – („Weil ich doch meine Beziehungen hab!“)

Gott, der Herr, mild und voll Frieden, der über allen Gewässern schwebt, spricht: „Berliner! Was tatst du hienieden? Menschenskind! Wie hast du gelebt –?“

Und der Berliner sagt darauf verschwommen: „Ich . . . bin leider nicht dazu gekommen.“

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