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1912

Weihnachten

Kurt Tucholsky

Nikolaus der Gute kommt mit einer Rute, greift in seinen vollen Sack – dir ein Päckchen – mir ein Pack.

Ruth Maria kriegt ein Buch und ein Baumwolltaschentuch, Noske einen Ehrensäbel und ein Buch vom alten Bebel,

sozusagen zur Erheiterung, zur Gelehrsamkeitserweiterung . . . Marloh kriegt ein Kaiserbild und nen blanken Ehrenschild.

Oberst Reinhard kriegt zum Hohn die gesetzliche Pension . . . Tante Lo, die, wie ihr wißt, immer, immer müde ist,

kriegt von mir ein dickes Kissen. – Und auch hinter die Kulissen kommt der gute Weihnachtsmann: Nimmt sich mancher Leute an,

schenkt da einen ganzen Sack guten alten Kunstgeschmack. Schenkt der Orska alle Rollen Wedekinder, kesse Bollen –

(Hosenrollen mag sie nicht: dabei sieht man nur Gesicht . . . ). Der kriegt eine Bauerntruhe, Fräulein Hippel neue Schuhe,

jener hält die liebste Hand – Und das Land? Und das Land? Bitt ich dich, so sehr ich kann: Schenk ihm Ruhe –

lieber Weihnachtsmann!

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