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1912

Trunkenes Lied

Kurt Tucholsky

Der Igel sprach zum Oberkellner: „Bedienen Sie mich ein bißchen schnellner! Suppe – Gemüse – Rostbeaf – und Wein! Ich muß in den Deutschen Reichs-Igel-Verein!“

Da sprach der Oberkellner zum Igel: „Ich hab so ein komisches Gefiegel – ich bediene sonst gerne, prompt und coulant, aber ich muß in den Oberkellner-Verband!“

Der Igel saß stumm, ohne zu acheln, und sträubte träumerisch seine Stacheln – Messer und Gabel rollten über die Decke. Sie rollten zum Reichsverband Deutscher Bestecke.

Des wunderte der Igel sich. Er ging in ‚Für Herren‘ züchtiglich; doch der Alte, der dort reine macht, war auf der Deutschen Klosettmänner-Nacht.

Ein Rauschen ging durch des Igels Stoppeln – er tät bedrippt nach Hause hoppeln und sprach unterwegs (und aß einen Keks):

„Ich wohne gern. Aber seit ich in Deutschland wohne, ist mein igeliges Leben gar nicht ohne. Sie sind stolz, weil sie sich in Gruppen mühn – doch sie sind nur gestörte Individühn.

Menschen? Mitglieder sind diese Leute. Unsern täglichen Verband gib uns heute! Amen.“ (sagte der Igel).

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