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1912

Silvester

Kurt Tucholsky

So viel Tage zerronnen, so viel Monate fliehn; stets etwas Neues begonnen, dorrt es unter der Sonnen . . .

Hexenkessel Berlin! Ich, der Kalendermacher, blick nachdenklich zurück. Mal ein Hieb auf den Schacher,

mal auf den Richter ein Lacher – Aber wo blieb das Glück? Schau, sie sind kaum zu belehren. Denken nur merkantil.

Halten den Dollar in Ehren, können ihn nicht entbehren –: Liebliches Börsenspiel. Mädchen – euch halten die Schieber!

Denn sie sind obenauf. Geist –? Es ist euch viel lieber Lack und Erfolg und Biber – Das ist der Welten Lauf.

Nur mit dem Armband bekleidet wandelt Melpomene. Börsenfaun, er entscheidet, woran die Loge sich weidet –:

kugeliges Dekolleté. Wie verbring ich Silvester? Gib mir dein blondes Haar. Fasse die Arme mir fester,

gib dich, du liebliche Schwester – woll aus deinen Händen Nacht und Entzücken mir spenden und ein besseres, anderes Jahr!

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