Skip to content
1912

Schwere Zeit

Kurt Tucholsky

Die Jungfrau in der Nebenstuben – ich frage mich, was tut sie nur? Ich hör die Stimme eines Buben – so spät am Abend? Um elf Uhr?

Wie er mutiert! Und ihre Stimmen verklingen sacht – sie murmeln leis. Bin ich der Zeuge einer schlimmen Verbrechertat? Wer weiß! wer weiß!

Sie spricht ihm gütig zu. Belehrend ertönt ihr lieblicher Sopran. Er lacht: „Jawohl!“ Dies ist erschwerend! Was wird dem Knaben nur getan?

Sind das nicht halberstickte Küsse? Ich frag sie später, was sie treibt . . . Sie sagt: „Die geistigen Genüsse, sie bringen nichts als Kümmernisse.

Es ist das einzige, was mir bleibt!“

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Schwere Zeit · Kurt Tucholsky · Poetry Cove