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1912

Schlager

Kurt Tucholsky

Überall, wo Räder rollen, in den Autos, in den vollen – in der Handelskompanie. In den Wäldern unter Fichten,

in den Oberlandgerichten – gibts nur eine Melodie. Gents, die ihre Wagen lenken – Mädchen, die den Beutel schwenken –

wo das deutsche Leben zieht- singen wir das kleine Lied: „Wer bezahlt denn meine Steuern? Bezahl sie ich vielleicht? – Bezahlst sie du vielleicht?

Bei den Zeiten, bei den teuern – da muß man froh sein, wenns fürn kleinen Kognak reicht!“ Wälder blaß erdunkeln. Silberteiche funkeln.

Schwer empor steigt Nickelmann, fängt ein bißchen mit den Elfen an. Waldesgeister weben. Elfen nebbich schweben –

auf dem Pfad, wo Mondschein geht – weil das so bei Richard Wagner steht . . . Und während Poesie die Luft durchzieht, singt die kleine Elfe leis ihr Lied:

„Wer bezahlt denn meine Steuern? Bezahl sie ich vielleicht? – Bezahlst sie du vielleicht? Bei den Zeiten, bei den teuern – da muß man froh sein, wenns fürn kleinen Nektar reicht!“

Das Militär ist große Mode in der Politik und auf dem Varieté. Da hetzen sie das Ding zu Tode – in Revuen und auf dem Cabaret.

Und kannst du mal nicht weiter – dann sei nicht bös und barsch – dann spielste einfach heiter den Fridericus-Marsch.

Und dann fällt alles – und dann fällt alles vor Begeistrung auf den Fridericus-Marsch (Hurra!) auf den Fridericus-Marsch. „Wer bezahlt denn meine Steuern?

Bezahl sie ich vielleicht? – Bezahlst sie du vielleicht? Bei den Zeiten, bei den teuern – da muß man froh sein, wenns fürn kleinen Kognak reicht!“

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