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1912

Nachruf

Kurt Tucholsky

Gehaßt, weil du Konkursverwalter der Pleitefirma Deutsches Reich, liegst du zerschossen als ein kalter und toter Mann – und Deutschland ist das gleich.

Es kostet nichts. In Blutkapiteln erlebten wirs – was kriegt solch Vieh? Den Auslandspaß – ‚Nichts zu ermitteln‘: so kämpft der Geist der Monarchie.

Gehaßt, weil du Zivilcourage den Herren vom Monokel zeigst – weil du schon Siebzehn die Blamage der Ludendörffer nicht verschweigst . . .

Das kann der Deutsche nicht vertragen: daß einer ihm die Wahrheit sagt, daß einer ohne Leutnantskragen den Landsknechtgeist von dannen jagt.

So fielst du. Hinter deiner Bahre gehn grinsend, die den Mord gewollt: in Uniform und im Talare

der wildgewordne Teutobold. Und wie dein Blut die Steine netzte, da atmet auf das Militär. Es kondoliert, wer grad noch hetzte . . .

Du warst der Erste nicht – bist nicht der Letzte. Prost Helfferich! Der kommt nicht mehr.

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