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1912

Nach fünf Jahren

Kurt Tucholsky

Und Vater tot und Bruder tot und einer kriegsgefangen; und Mutter sitzt in Rentennot: Was essen meine Rangen . . . ?

So stehn wir da im schäbigen Kleid und denken an die alte Zeit. Und hassen. Und hassen jenen Preußengeist,

der uns geduckt, betrogen. Und hassen, was von Orden gleißt. Ihr Aar ist fortgeflogen. Er hinterließ als armen Rest

uns nur ein ganz beschmutztes Nest und graue Elendsmassen. Wir hassen. Hör, Bruder, standest du nicht stramm

vor Knechten und vor Schiebern? Du gingst zur Schlacht als Opferlamm. Wir fiebern, fiebern, fiebern . . . Wach auf! Du warst so lange krank!

Es dauert nicht ein Leben lang! Mußts nur nicht gehen lassen! Wir hassen. Brenn aus! Brenn aus! Mit Stumpf und Stiel!

Greif mutig in den Himmel! Die Oberschicht – sie zählt nicht viel – versinkt in dem Gewimmel. In Dreck und Blut und Schlamm und Schmerz

blieb uns ein warmes Menschenherz. Schlag zu mit wuchtigen Hieben! Wir lieben!

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