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1912

Na also –!

Kurt Tucholsky

Der alte Kahl, ordensbesternt, Geheimrat und so, hat umgelernt. Er hat einen ganzen Hinrichtungsakt gesehn – der Kopf wurde abgehackt.

Und Geheimrat Kahl schrieb juristisch und kühl: „Das ist gut für das Gerechtigkeitsgefühl. Allemal.“ (gez.) Kahl

Dann hat der Mann an Einsicht gewonnen, hat nachgedacht und sich besonnen. Und er sprach und schrieb, wo es auch sei: eine Hinrichtung ist eine Barbarei.

Ein zweiter Mord. Zu gar nichts nütze. Justiz gedeiht nicht in blutiger Pfütze. Ein braver Mann sprach im Reichstagssaal. Kahl.

Darauf haben die Nazis ihn angegriffen. Darauf haben die Stammtische auf ihn gepfiffen. Und jetzt auf einmal, ein neuer Ton ertönt in der Reichstagskommission:

„Wir brauchen die Todesstrafe, zur Zeit! Insonderheit im politischen Streit! Humanität in allen Ehren – wir können den Hackklotz nicht entbehren.“

(Wir verurteilen bekanntlich nach dieser Methode alle Nazi-Mörder zum Tode.) „Heraus mit dem Beil!. Die Waage bleibt drin. Richtet sie nicht! Richtet sie hin!“

Na also –! Da hat in bewegten Stunden ein deutscher Professor heimgefunden. Christus säte. Es wuchs nicht viel. Rode aus die Pflänzchen mit Stumpf und Stiel!

Das christliche Feld bleibt allemal kahl.

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