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1912

Mal singen, Leute –!

Kurt Tucholsky

Der Seemann schifft ins Meer hinaus, ihm ist so leicht zu Sinn. Marie weint sich die Augen aus – er segelt rasch dahin.

Er sitzt in der Kombüse und stochert im Gemüse. und denkt sich: Wenns Marie nicht ist, na, dann ists eine Negerin . . . Der hat

in jeder Stadt 'ne Braut –! Die erste für die Seele, die zweite fürs Gemüt; die dritte wegen Hoppeldibopp –

auf Nacht, wenns keiner sieht! Mein Freund, daß du geheirat hast, das will mir gar nicht ein. Dein Stück Malheur ist eine Last!

Komm, wirf sie in den Rhein! Er sagt: „Ich wünscht, ich kann es! Wem sagst du das, Johannes! Ich denk so oft, wenn die Alte schnarcht: Ach, wär ich jetzt allein!“

Ich hätt in jeder Stadt 'ne Braut –! Die erste für die Seele, die zweite fürs Gemüt;

die dritte für das Hoppeldibopp – auf Nacht, wenns keiner sieht! Mensch, unser Gustav Stresemann das ist wohl ein Filou!

Er meiert sich bei jedem an und singt was Schöns dazu. Er steht am Wasserglase und redet durch die Nase,

mal rechts durchs Loch, mal links durchs Loch – der Junge ist atout! Der hat in jeder Stadt 'ne Braut –! Die erste für die Seele,

die zweite fürs Gemüt; die dritte für das Hoppeldibopp – auf Nacht, wenns keiner sieht! Das macht der Reiz seines Angesichts!

Und die eine weiß von der andern nichts, daß er ihr Programm geklaut! In jeder Stadt in jeder Stadt

in jeder Stadt 'ne Braut –!

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