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1912

Guter Neurath ist teuer

Kurt Tucholsky

Ssiss kaum zu gloom: Da haben wir einen in Rom, aus ziemlich echtem Adelsmark, kriegt pro Tag 500 Mark –

macht im Monat 15000 – (dafür kann man schon mal). Drum fragen wir brausend, daß es bis in die Wilhelmstraße schallt:

Was tut der Mann für sein Gehalt –? Wenn die Republik Geburtstag hat –: ist er nicht zu Hause; besucht Gerhart Hauptmann die ewige Stadt –:

ist er nicht zu Hause. Unter den völkischen Belangen liebt er Artur Dintern. Kommt der Emil Ludwig gegangen –:

zeigt er ihm den Hintern. Diese Aussicht lohnt sicher den Aufenthalt – aber was tut der Mann für sein Gehalt –? Laßt ihn ruhn.

Der tut, was sie alle tun: Er nimmt das Geld von seinem Land und spuckt dem Geber auf die Hand. Gut leben. Mit Cliquen intrigieren.

Die Republikaner sabotieren. Auf den Arbeiter pfeifen. Zum Rennen gehn. Die Welt durch ein Monokel sehn. Uns überall schaden, daß es so knallt –:

das tut jener für sein Gehalt. Merke, zum Schlusse des Gedichts –: Uns kostet das viel. Ihn kostet das nichts.

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