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1912

Eisenbahner

Kurt Tucholsky

Im Stellwerk wachen in der Nacht – Marsch – Marsch! Zehn Stunden Dienst gemacht! Die schweren Hebel an der Hand, Hitze und Zugwind am Führerstand.

Im Bauch kalten Kaffee, im Kopf das Signal, die Strecke abgehen, hundertmal –: das macht das Unterpersonal. Verfügungen schmieren, wie die dienstlichen Mützen

auf dem Proletenkopf sollen sitzen; nur die eigene Behörde kennen; sich gegenseitig zum Geheimrat ernennen; vom grünen Tisch den gemeinen Haufen

regieren, daß alle in Akten versaufen; auf Wersalljes schimpfen, aufs Material –: das tut das Oberpersonal. Den Kopf hinhalten vor Gericht;

Maul halten, wenn der Richter spricht; die Brust hinhalten, wenn es sprüht, undichtes Rohr . . . der Dampf verbrüht . . . ein heißer Strahl . . . weg, ins Spital . . .

So fünfzig–, hundert–, tausendmal –: das macht das Unterpersonal. Intrigieren und organisieren – paragraphieren und reglementieren.

Geht es bei Katastrophen ans Leben, sich „persönlich auf den Schauplatz begeben“; an Vorschriften und Verfügungen polken, (wie ein Mond leuchtet Dorpmüller aus den Wolken).

Für die andern: Kommiß. Für sich selber: sozial. Das macht das Oberpersonal. Wir rufen ihm zu, so wie es da ist, ein Signal, das kein Proletarier vergißt:

Abfahren! Abfahren! Abfahren –!

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