Skip to content
1912

Eine Frage

Kurt Tucholsky

Da stehn die Werkmeister – Mann für Mann. Der Direktor spricht und sieht sie an: „Was heißt hier Gewerkschaft! Was heißt hier Beschwerden! Es muß viel mehr gearbeitet werden!

Produktionssteigerung! Daß die Räder sich drehn!“ Eine einzige kleine Frage: Für wen? Ihr sagt: die Maschinen müssen laufen.

Wer soll sich eure Waren denn kaufen? Eure Angestellten? Denen habt ihr bis jetzt das Gehalt, wo ihr konntet, heruntergesetzt. Und die Waren sind im Süden und Norden

deshalb auch nicht billiger geworden. Und immer noch sollen die Räder sich drehn . . . Für wen? Für wen die Plakate und die Reklamen?

Für wen die Autos und Bilderrahmen? Für wen die Krawatten? die gläsernen Schalen? Eure Arbeiter können das nicht bezahlen. Etwa die der andern? Für solche Fälle

habt ihr doch eure Trusts und Kartelle! Ihr sagt: die Wirtschaft müsse bestehn. Eine schöne Wirtschaft! Für wen? Für wen?

Das laufende Band, das sich weiterschiebt, liefert Waren für Kunden, die es nicht gibt. Ihr habt durch Entlassung und Lohnabzug sacht eure eigne Kundschaft kaputt gemacht.

Denn Deutschland besteht – Millionäre sind selten – aus Arbeitern und aus Angestellten! Und eure Bilanz zeigt mit einem Male einen Saldo mortale.

Während Millionen stempeln gehn. Die wissen, für wen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Eine Frage · Kurt Tucholsky · Poetry Cove