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1912

Die weinenden Hohenzollern

Kurt Tucholsky

Sie sitzen in den Niederlanden und gucken in die blaue Luft. Der Alte mit den hohen Granden, der Junge in der Tenniskluft.

Wer fuhr denn – töff-töff-töff – nach Holland, woraus man heut sich traurig sehnt? Sie klagen, ihre Welt sei Moll-Land . . . Vater hat jeweent, Willy hat jeweent –

Alle ham se jeweent! Das geht nun seit vier langen Jahren. Es trieft das Schmalz. Die Zähre rinnt: „Der biedere Greis in Silberhaaren –

das arme, so verfolgte Kind . . . “ Und selbst im Kino blüht die Lilie. Das Fridericus-Auge tränt . . . Das liegt nun mal in der Familie . . .

Vater hat jeweent, Willy hat jeweent – Alle ham se jeweent! Sie schreiben Fibeln für die Kleinen – drin steht: „Ich hab es nicht gewollt!“

Die Krone fiel. Wer wird denn weinen! Das ganze Geld kam nachgerollt. Ein ewig Gestern – nie ein Morgen. Mein Gott, die Welt hat andre Sorgen!

Es trägt ein Volk die schwersten Lasten . . . Mit Melodien, dem Kitsch entlehnt, drehn die an ihrem Leierkasten: Vater hat jeweent, Willy hat jeweent –

Alle ham se jeweent!

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