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1912

Die Schweigende

Kurt Tucholsky

Erst haben wir davon gesprochen – du hörtest freundlich zu –, ob unsre alten Männerknochen sich niemals in den Hörselberg verkrochen . . .

Und du? Er sagte: „Ach, ich bin ein böses Luder! Die Frauen fehlen mir. Ich fresse jedes Jahr ein halbes Fuder,

wild tobt mein Herz, stäubt nur ihr weißer Puder . . . “ Was klopft denn dir? Er sagte: „Rausch! Nur Rausch vor allen Dingen! Vor dem Verstand verblich

schon manche Göttin mit den Strahlenschwingen – Mich packt es jäh, wenn meine Sinne singen . . . “ Und dich? Ich sagte: „Rausch ist eine schöne Sache,

deckt er uns zu. Doch geben Sie mir auch die eine wache Sekunde nur, in der ich rauschlos lache . . . “ Und du?

Du sprichst kein Wort. Du siehst nur so auf jeden von uns – und während alles weit verklingt, und während wir voll Männerweisheit reden: blitzt auf in einem dunkeln Garten Eden

dein sieghafter Instinkt.

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