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1912

Die Redensart

Kurt Tucholsky

Als Friedrich, August von Sachsen, noch saß auf seinem Thron, da tät die Empörung wachsen – horch, horch – die Revolution!

Im Schloß erschrak man nicht wenig, der Kammerherr wurde ganz blaß. Da sagte der gute Geenij: „Ja, dürfen die denn das –?“

Der Satz hat sich eingefressen. Ich sag ihn bei Tag und bei Nacht. Ich sag ihn bei Jungdo-Adressen, ich sag ihn, wenn Hitler was macht.

Ich sag ihn, wenn Mädchen sich lieben, und wenn einer reizt mit dem As, und wenn sie um Schleichern was schieben: „Ja, dürfen die denn das –?“

Wie die Deutschen so tiefsinnig schürfen! Jeder Mann ein Berufungsgericht. Nur wer darf, der darf bei uns dürfen – die andern dürfen nicht.

Und sitzt in der peinlichsten Lage der Deutsche, geduckt und klein –: dann stellt er die deutscheste Frage und schläft beruhigt ein.

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