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1912

Die Frau spricht3. Die Nachfolgerin

Kurt Tucholsky

Ich hab meinen ersten Mann gesehn – der ging mit einer! Hütchen, Rock und Bluse (Indanthren) und zwei Kopf kleiner!

Sie muß ihn wohl ins Büro begleiten . . . Über den Geschmack ist nicht zu streiten. Na, herzlichen Glückwunsch! Sein Gehirn ist bei der Liebeswahl

ganz verkleistert; wenn er siegt, dann ist er allemal schwer begeistert. Ob Languettenhemd, ob teure Seiden –

seinetwegen kann man sich in Säcke kleiden . . . Na, herzlichen Glückwunsch! Frau ist Frau. Wie glücklich ist der Mann, dem das gleich ist!

Und für sowas zieht man sich nun an! Als ob man reich ist! Das heißt: für ihn . . . ? Wir ziehen unsre Augenbrauen

für und gegen alle andern Frauen. Immerhin erwart ich, daß ers merken kann; ich will fühlen, daß ich reizvoll bin. Dreifach spiegeln will ich mich: im Glas, im Neid, im Mann.

Und der guckt gar nicht hin. Liebe kostet manche Überwindung . . . Männer sind eine komische Erfindung.

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