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1912

Die deutsche Laute

Kurt Tucholsky

Als wenn ich früh und spät, nachdem es etwa kam, in deiner Gegenwart die deutsche Laute nahm . . . Man lauert, sitzt und sinnt, verändert, schreibt, durchstreicht, schmeißt Silb und Reim herum, versetzt, verwirft, vergleicht,

eh Wörter und Begriff so wahr als zierlich passen und in des Lesers Ohr ein gründlich Etwas lassen. Doch wenn es unser Fleiß auch noch so schön gemeint und nachmals vor der Welt mit Sorg und Furcht erscheint,

so wird es oft so kahl und obenhin gelesen, als wär es ein Gebet von Habermann gewesen. Schweig du doch nur, du Hälfte meiner Brust! Denn was du weinst, ist Blut aus meinem Herzen.

Ich taumle so und hab an nichts mehr Lust als an der Angst und den getreuen Schmerzen, womit der Stern, der unsre Liebe trennt, die Augen brennt.

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