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1912

Die Besetzung

Kurt Tucholsky

Es haben die deutschen Filmdirektoren noch niemals die Schnur ihres Handelns verloren; drum merke sich jeder junge Adept das folgende Besetzungsrezept:

Wenn du elegant brauchst, nimm Paul Otto; wenn du brutal brauchst, nimm Homolka;

wenn du Seelchen brauchst, nimm die Bergner; wenn du berlinisch brauchst, nimm Graetz;

wenn du dämonisch brauchst, nimm Veidt; wenn du gar nichts brauchst, nimm Liedtke –

Spezialisten für Tränen, Spezialisten fürs Lachen. Und nie darf einer was andres machen als das, womit er schon einmal gewirkt. Die Ressorts sind säuberlich abgezirkt:

Nummer IV, Nummer III, Nummer II, Nummer I – jeder seins. Dies Verfahren erscheint mir aber – das seh ich – auch auf andere Gebiete ausdehnungsfähig.

Man kann, um seine Geschäfte zu stärken, sich folgende Dienstanweisung merken: Wenn du Heereslieferungen brauchst, schwenk Fahnen;

wenn du ein Mädchen brauchst, nimm Seele; wenn du Steuern brauchst, sag: Frankreich;

wenn du junge Aktien brauchst, sag: Wirtschaft; wenn du Rührung brauchst, nimm 's Mutterl . . .

wenn du Rache brauchst, nimm einen Richter – So hast du für alle Lagen des Lebens stets etwas parat und kämpfst nie vergebens.

Der Mittel sind viele in den Kulissen . . . man muß sie nur anzuwenden wissen. Nummer IV, Nummer III, Nummer II, Nummer I –: jeder seins.

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