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1912

Deutscher Abend

Kurt Tucholsky

Nun gönnt die Firma stillen Abendfrieden dem Arbeitsmann, den Mädels, dem Kommis – nun sitzt ganz Deutschland um den runden, lieben gedeckten Tisch und sieht aufs Visavis.

Da liegt das Land: ganz schwarz und blau und dunkel. Es klirrt der Wind im Telegrafendraht. Ein gelbes Fenster grüßt dich mit Gefunkel: hier spielt der Förster seinen Dauerskat.

Man hebt die Zeitung, läßt sie wieder sinken, die Welt, ihr Lieben, geht den alten Lauf – hieraufbezüglich kann man einen trinken, die Pfeife qualmt, nun steigt der Mond herauf.

Und hundert Mimen spreizen ihre Glieder, und hundert Bürger füllen sich mit Bier . . . Und hundert Mädchen summen kleine Lieder, denn morgen, morgen muß er fort von hier.

O Herr, so wie wir hienieden krauchen, so segne Land und Leute und Kompott. Verlaß dich drauf: wir könnens brauchen, wir könnens brauchen, lieber Gott!

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