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1912

Der schlimmste Feind

Kurt Tucholsky

Der schlimmste Feind, den der Arbeiter hat, das sind nicht die Soldaten; es ist auch nicht der Rat der Stadt, nicht Bergherrn, nicht Prälaten.

Sein schlimmster Feind steht schlau und klein in seinen eignen Reihn. Wer etwas diskutieren kann, wer einmal Marx gelesen,

der hält sich schon für einen Mann und für ein höheres Wesen. Der ragt um einen Daumen klein aus seinen eignen Reihn.

Der weiß nichts mehr von Klassenkampf und nichts von Revolutionen; der hat vor Streiken allen Dampf und Furcht vor blauen Bohnen.

Der will nur in den Reichstag hinein aus seinen eignen Reihn. Klopft dem noch ein Regierungsrat auf die Schulter: „Na, mein Lieber . . . “,

dann vergißt er das ganze Proletariat – das ist das schlimmste Kaliber. Kein Gutsbesitzer ist so gemein wie der aus den eignen Reihn.

Paßt Obacht! Da steht euer Feind, der euch hundertmal verraten! Den Bonzen loben gern vereint

Nationale und Demokraten. Freiheit? Erlösung? Gute Nacht. Ihr seid um die Frucht eures Leidens gebracht. Das macht: Ihr konntet euch nicht befrein

von dem Feind aus den eignen Reihn.

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