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1912

Der Hosenschnüffler

Kurt Tucholsky

In einem Stück von Sudermann fällt baß ein Herr in Liebesbann. Das kann vorkommen. Der Schauspieler als alter Rasch-

hoff faßt sich in die Hosentasch. Das kann auch vorkommen. So hätten wir den brünstigen Vater als Taschenspieler im Theater . . .

Das darf nicht vorkommen! Herr Brunner, der dergleichen sah, war eines Tages plötzlich da. Er staunte murrend: Was is diss?

Und nahm ein Happen Ärgernis. Und es erregten ihre Geister mit ihm zwei Kriminalwachtmeister. Das kann vorkommen.

Man schleppt die Hose vors Gericht: Ist dies nun Unzucht oder nicht? Der Richter sah recht tief hinein und sagt zu Brunnern: „Leider nein!“

So sprach man jenen Mimen frei. Der lachte froh und rief: „Ei, ei!“ O Brunner! Stecke deine Nose nicht in des Künstlers Lodenhose!

O Brunner! daß es stets so bliebe: Kurz ist die Kunst – und ewig lang die Liebe!

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