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1912

Das Königswort

Kurt Tucholsky

Dies ergötzte hoch und niedrig: Als der edle König Friedrich, August weiland von ganz Sachsen, tat zum Hals heraußer wachsen

seinem Volk, das ihn geliebt, so es billigen Rotwein gibt – als der König, sag ich, merkte, wie der innre Feind sich stärkte,

blickt er über die Heiducken, und man hört ihn leise schlucken.. Und er murmelt durch die Zähne: „Macht euch euern Dreck alleene!“

Welch ein Königswort! Wahrhaftig, so wie er – so voll und saftig ist sonst keiner weggegangen. Wenn doch heute in der langen

langen Reihe unsrer Kleber, Wichtigmacher, Ämterstreber, einer in der langen Kette nur so viel Courage hätte,

trotz der Ehre und Moneten schnell gebührend abzutreten! O, wie ich sein Wort ersehne: „Macht euch euern Dreck alleene!“

Edler König! Du warst weise! Du verschwandest still und leise in das nahrhafte Zivil. Das hat Charme, und das hat Stil.

Aber, aber unsereiner! Sieh, uns pensioniert ja keiner! Und wir treten mit Gefühle Tag für Tag die Tretemühle.

Ach, wie gern, in filzenen Schuhen wollten wir gemächlich ruhen, sprechend: „In exilio bene! Macht euch euern Dreck alleene!“

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