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1912

Chanson für eine Frankfurterin

Kurt Tucholsky

Wenn die alte Herrn noch e mal Triebe ansetze – des find ich goldisch! Wenn se dann nix wie Dummheite schwätze – des find ich goldisch!

Des hab ich von meim alte Herrn: ich hab halt die Alt-Metalle so gern . . . Wenn ich en Bub geworde war, hätt ich auch Metallercher verzollt – Ja, Jaköbche . . .

Rede is Nickel, Schweige is Silber, und du bist mei Gold –! Wenn se newe mir auf dem Diwan sitze – des find ich goldisch! wenn se sich ganz wie im Ernst erhitze –

des find ich goldisch! E Angriffssignal is noch kein Siesch – ich sag bloß: Manöver is doch kein Kriesch! Wer will, hat schon fuffzig Prozent. No, un wer zweimal gewollt . . .

En Floh is kei Roß, un e Baiss is kei Hauss . . . un Rede is Nickel, Schweige is Silber, un du bist mei Gold –! Wenn se sich de Hut schief auf de Seite klemme –

des find ich goldisch! Wenn se die Ärmcher wie Siescher in die Seite stemme – des find ich goldisch! Am liebste nemm ich se dann auf den Schoß.

Aber mer hat sein Stolz. Es is kurios: sei Mutter is net aus Frankfort. Er aach net. Und da hab ich net gewollt . . . Jetzt waan net, Klaaner – Berlin ist Nickel, Wiesbaden ist Silber, awwer Frankfort is Gold –!

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