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1912

An einen garnisondienstfähigen Dichter

Kurt Tucholsky

Du schlägst die kriegerisch-verstimmte Leier, du singst von Haß und Blut und Pulverrauch – und heißt vielleicht nur Gottlob Emil Meier, sanft wölbt sich dir der Zwei-Terrassen-Bauch . . .

Du singst vom Sturmangriff, von roten Hosen, von England-Haß, von Not und Schlachtengraus, vom Panjefeind und von den Erzfranzosen – Komm raus!

Komm einmal raus! Besieh dir das persönlich – gewiß: es ist nicht immer ideal, mitunter gehts im Kriege ganz gewöhnlich und schmutzig zu – besiehs dir nur einmal.

Nein! das genügt noch nicht: du mußt es auch erleben, zieh an die schlichte Farbe unsres Graus. Mach mit! Wir wolln dir fünf Mark dreißig geben – Komm raus!

Vielleicht wirst du dann endlich, endlich lernen: Wer seine Pflicht tut, kämpft und steht und schweigt. Steigt auch der Ruhm der Kameraden zu den Sternen – sieh nur, wie lautlos und wie still das steigt!

Doch ziehn wir später einmal (Gott mag wissen, wann das geschieht), zurück, sind Leid und Wirrsal aus: dann, Meier, wollen wir dich gerne missen! Dann bleib zu Haus!

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