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1912

7,7

Kurt Tucholsky

Sieben Jahre und sieben Minuten mußten zwei Arbeiterherzen bluten. Sieben Jahre? Zellenenge,

Nächte – Luft! – Visionengedränge. Zehnmal in die Todeskammer – zehnmal den allerletzten Jammer – zehnmal: jetzt ist alles aus.

Zehnmal: Grüßt uns die zu Haus! Zehnmal: vor der eignen Bahre. Zum Tode verurteilt sieben Jahre. Sieben Minuten:

Das Blut gerinnt. Wißt ihr, wie lang sieben Minuten sind –? Sieben Minuten Krampf und Qual, Muskeln zucken noch ein Mal –

Blut kocht in Venen – Hebelgekreisch – es riecht nach angesengtem Fleisch – irr drehn sich Pupillen – das Ding sitzt gebunden 420 lange Sekunden . . .

Strom weg. Tot? Hallelujah! Bravo! Bravo, U.S.A. –! Sieben Jahre und sieben Minuten mußten zwei Arbeiterherzen bluten.

Sieben Minuten und sieben Jahre – Diesen Schwur an ihrer Bahre: Alle für zwei. Ihr starbt nicht allein. Es soll ihnen nichts vergessen sein.

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7,7 · Kurt Tucholsky · Poetry Cove