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1813

Wunder der Liebe

Ludwig Tieck

Mondbeglänzte Zaubernacht, Die den Sinn gefangen hält, Wundervolle Märchenwelt, Steig' auf in der alten Pracht!

Liebe läßt sich suchen, finden, Niemals lernen, oder lehren, Wer da will die Flamm' entzünden Ohne selbst zu verzehren,

Muß sich reinigen der Sünden. Alles schläft, weil er noch wacht, Wann der Stern der Liebe lacht, Goldne Augen auf ihn blicken,

Schaut er trunken von Entzücken Mondbeglänzte Zaubernacht. Aber nie darf er erschrecken, Wenn sich Wolken dunkel jagen,

Finsterniß die Sterne decken, Kaum der Mond es noch will wagen, Einen Schimmer zu erwecken. Ewig steht der Liebe Zelt,

Von dem eignen Licht erhellt, Aber Muth nur kann zerbrechen, Was die Furcht will ewig schwächen, Die den Sinn gefangen hält.

Keiner Liebe hat gefunden, Dem ein trüber Ernst beschieden, Flüchtig sind die goldnen Stunden, Welche immer den vermieden,

Den die bleiche Sorg' umwunden: Wer die Schlange an sich hält, Dem ist Schatten vorgestellt, Alles was die Dichter sangen,

Nennt der Arme, eingefangen, Wundervolle Märchenwelt. Herz im Glauben auferblühend Fühlt alsbald die goldnen Scheine,

Die es lieblich in sich ziehend Macht zu eigen sich und seine, In der schönsten Flamme glühend. Ist das Opfer angefacht,

Wird's dem Himmel dargebracht, Hat dich Liebe angenommen, Auf dem Altar hell entglommen Steig' auf in der alten Pracht.

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