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1813

Morgen

Ludwig Tieck

Die Waldung schweigt Und Nebel schleichen, Die Sonne steigt, Glänzt durch die Eichen:

Um nasses Moos Erheben Funken, Der Erde Schoos Blüht auf und die Vögel sind trunken.

Die Lerche singt In hohen Lüften, Der Nachhall klingt In allen Klüften. –

Durch Nebelzug Nun rastlos weiter Im schnellen Flug! Schon glänzet die Sonne so heiter!

Die Schöpfung regt Die muntern Glieder. Das Herz mir schlägt, – Ich seh' sie wieder!

Durch niedre Luft Mit schwerem Segen Zieht Nebelduft, Ihm nicken die Saaten entgegen.

Wo find ich sie? Wo mag sie weilen? Vergißt mich nie Und wünscht mein Eilen?

Ha, jeder Sinn, Vom Bilde trunken, Strebt zu ihr hin, Die Schöpfung ist ringsum versunken.

Ihr holder Blick, Der auf mich sinket, Ist schon mein Glück. Wie freundlich winket

Der zarte Mund Mir Zauberküssen! O holder Bund! O Glück! mich so nahe zu wissen!

Auf, eilt euch, schnell! Ihr Rosse munter! Der Tag wird hell, So fliegt hinunter!

Daß auch mein Herz Den Segen finde, Und jeder Schmerz Im himmlischen Taumel verschwinde!

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