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1813

Klage und Trost

Ludwig Tieck

Vom Berge schau' ich nur nach ihm, Es fließt und klagt der klare Bach, Ich sehe seinen Wellen nach, Ich weine, wenn die Vögel ziehn,

Die Bäume blühn, Die Rosen glühn Und winterlicher nur mein Herz, Vom Verlangen

Befangen, Zerrissen von der Trennung Schmerz. Er kehrt bald aus den Bergen wieder, Von ihm erzählen des Baches Wogen,

Er wird von Wellen fortgezogen, Der Frühling hat dich nicht betrogen, Er streut dann seine Blüthen nieder, Und balde

Im Walde Begegnet dein Fuß Dem treuen Geliebten, Dann eint die Betrübten

Ein himmlisch belohnend-entzückender Kuß. Und immer vergebens Die Sehnsucht ihn ruft: Ihr fernen Gestade,

O dunkele Kluft, Ihr fesselt des Lebens Alleinige Freud' O bringet geschwinde

Ihr gütigen Winde Den Liebsten den sehnenden Armen noch heut! Vertraue der Zeit, Sie bringet die Blüthen,

Sie reifet die Trauben, Drum fasse den Glauben: Es wandeln die Stunden Hinauf und hinunter.

Er kehret zurück, Bald seid Ihr verbunden, O herrliches Glück! O Sonne mit deiner Morgenröthe,

Mit deinem lieblichen Abendglanze, Du Mond mit dem freundlichen Schimmer, Ihr Sterne mit lieblichem Funkeln, Gesellig entzündet

Euch alle zumahl, Ihr Wolken verschwindet, Damit er ihn findet, Den Weg durch das Thal.

O Nacht mit deinen düstern Schatten, Du im Hohlweg lauernde Finsterniß, Irrlichterschein, verführend Feuer, Regenschauer, durch den Himmel flatternd,

Entflieht! Gestirnt und hell Sey der Weg, den er zieht, Mit Lichtern erblüht

Die Nacht um ihn schnell. O ungetreuer Weg, der seinen Schritt Nur stets nach ferner fremder Gegend lenkt, Du nimmst mein Herz nach andern Fluren mit,

Wie sich sein Fuß in ferne Thale senkt; Ihr Blumen, die ihr freundlich nach ihm blicket, Entgegen ihm mit bunten Sternen nicket, Und den Geliebten fern von mir entzücket:

O wie ich euch beneide, Wie ich eifersüchtig bin, Es wünscht mein tiefgestörter Sinn Sich zur Freude,

Daß euch ein zürnender Sturm zerknicket. Mag wohl, daß er die schönsten pflücket, Die blausten von dem Stengel bricht, Gedenkend deiner Augen Licht,

Sich sinnend nach der Rose bücket, Weil sie von deinen Lippen spricht, Und alle dir zum Strauße flicht. Blumen, freundliche Kinder, vergebt mir, –

Ihr zarten, flüchtigen Bilder der Liebe, Die des Frühlings Finger Zum Trost der Liebenden aus kalter Erde steckt Und weit umher mit bedeutungsvollem Schmuck bemahlt:

O vergebt! und treibt ihn fort, Richtet alle eure Fäden, Alle rothen, blauen Sterne, Wie die Zeiger auf der Uhr,

Wie die Nadel auf dem Compaß Sich nur nach dem Pole neigt, Nur nach dieser Gegend her.

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