Skip to content
1813

Klage im Walde

Ludwig Tieck

Laue Lüfte Spielen lind, Blumendüfte Trägt der Wind,

Röthlich sich die Bäume kräuseln, Lieblich Wähnen Zärtlich Sehnen In den Wipfeln, abwärts durch die Blätter säuseln.

Rufst du mich, Süßes Klingen? Ach! geheimnißvolles Singen, Bist nicht fremd, ich kenne dich!

Wie die Tauben Zärtlich lachen, girren, kosen, Also mir im bangen Herzen Schlagen Fitt'ge Lust und Schmerzen;

Zu den dunkeln Dämmerlauben, Zu den Blumenbeeten, Rosen Wandl' ich, ruf' ich, schau' umher – Und die ganze Welt ist leer.

In die dichte Einsamkeit Trag' ich meiner Thränen Brand; Ach! kein Baum thut mir bekannt, Setz' mich an des Bronnens Rand:

Vogel wild die Töne schreit, Echo hallt, Hirschlein springt im dunkeln Wald. Und es braußt herauf, herunter,

Waldstrom klingt durch seine Klüfte, Seine jungen Wellen springen Auf den Felsenstufen munter, Adler schwingt sich durch die Lüfte: –

Thränen, Rufen, Klagen, Singen, Könnt ihn nicht zurück mir zwingen? Garten, Berge, Wälder weit Sind mir Grab und Einsamkeit.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Klage im Walde · Ludwig Tieck · Poetry Cove