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1813

Juliens Grab

Ludwig Tieck

Dieser öde Winkel, dieser kalte Stein Soll das Grabmal seyn Jener Liebesblüthe, Die des Dichters himmlisches Gemüthe,

So rührend nah, vertraut bekannt An unser Herz mit tausend Leiden band? Braucht der Sage holder Traum Zeit und Raum?

Fernab baut sie nur aus Lichtern Und aus Schattendunkel, Ihre Bühne: weh den Dichtern, Wenn so kalte nackte Wände,

Ohne Schmuck und Zier Bieten dürre Todtenhände, Starr entgeistert stehen wir. Alles widerstrebt, was Phantasie

Uns gezeigt und vorgespiegelt, Dieses war der Kirchhof nie, Der die Liebenden im Tod vereint, Wo noch Romeo geweint,

Und ein Kuß den letzten Schmerz versiegelt. Alte Sagen gehn und kommen, Orient und Occident Oft zu einem bunten Licht zusammenbrennt:

Hat die Mähre Platz genommen Und tönt von des Volkes Munde, Sucht der Freund dann Zeit und Stunde, Haus und Raum

Lügenhaft dem süßen Traum; Vor Gerippe wird man hingestellt: Diese waren, Heißt es dann, vor Jahren

Einst die Schönheitsmuster aller Welt.

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