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1813

Die heilige Woche

Ludwig Tieck

Welches Tönen, welch Empfinden Zieht durch jede seelge Brust! Nun erst werden die erhabnen Bilder Der hohen Sistina lebendig!

Wie rührt, bewegt und ängstet Allegri's Klargebitte, sein frommer Gesang, Wenn das bebende Auge Oben den Weltrichter sieht

Sich zürnend erheben: Die bittende Mutter an ihn geschmiegt, Die Heiligen um ihn, Die furchtbaren Engel, deren Posaunenhall

Die Schläfer weckt, Und rechts die Hoffnung der Guten, Links der Verdammten Verzweifeln. Umher die hohen Prophetengestalten,

Der weissagende alte Bund, Der sich jetzt am furchtbarsten Tage Ganz erfüllt. Wie die Sonne tiefer und tiefer sinkt,

Leuchtet der rothe Stral Wundersam in Buonarotti's Schöpfung hinein, Die Lichter erlöschen Eins nach dem andern,

Die Abendröthe sinkt, Und Dämmrung und Dunkel Ruht auf der bewegten Menge So wie die letzten Töne verklingen.

Gedankenschwer, mit dem Busen voll Schmerz, Wandelt jeder durch die ruhigen Straßen, Noch am Abend, in tiefer Nacht Zieht der Klageton durch seine Seele.

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