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1813

Der Traubenmarkt

Ludwig Tieck

Führt mich an des Morgens Frühe Durch die sonnenhellen Gassen, Ueber die zierlichen ebnen Steine Der Genius der Neugier durch das Volksgedränge.

Welche Fülle von Blumen und Früchten Bunt und lockend ausgelegt! Welch Geschrei von Verkäufern und Käufern, Wie lustig ist dieses Marktes Getümmel!

Fortgeschoben Seh ich in hohen Körben Der sanften Tauben Geschlechter, Ruhig liegend, an Füßen gebunden,

Hoch auf einander gepackt. Und aufgehoben Eine nach der andern, Nimmt sie behende der Alte,

Oeffnet leicht den Schnabel, Streut einige feine Körner hinein. Ein Zweiter empfängt sie, Ein kleiner Trichter

Wird ihr in den zarten Schnabel gethan, Und einige Wassertropfen eingeflößt. Dann wirft er sie neben sich in den Korb, Und so eine nach der andern,

Bis jede genossen, Was sie in der Hitze bedarf. Noch stand ich lächelnd, Und die beiden Fütterer lächelten mir entgegen,

Weil sie meine Unwissenheit merkten, Daß ich nie dergleichen gesehn. Doch sinnend ging ich weiter, Tiefer Gedanken voll,

Und meine Seele weilte Heimathlicher Gefühle schwanger Im lieben Vaterlande. Dachte der Lesezirkel,

Der Journal-Gesellschaften, Wo den Aufeinandergepackten, Nach Bildung Lüsternen, Auch so das Mäulchen geöffnet wird,

Und wenig zarte Körner Und einige Tröpflein Wasser Ihnen zufließt von geschickten Fingern. O armes Florenz,

Das du nur bildlich Von unsrer Bildung Die schwache Ahndung hegst!

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