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1813

Botzen

Ludwig Tieck

Welche Wonne! Unten liegt ein Himmelsthal Im Glanz der reinen Sonne. Wie der Weg sich senkt

Rücken neue Hügel, Berge vor – Rundum Glanz und Farbenpracht; Am Wege hohe Hecken Von blühenden Granaten,

Gluth auf Gluth gedrängt. Wie voll, wie frisch, wie lachend Hier Kuß an Kuß Und Liebesgruß

In grünen Zweigen winkt. Die Geführten wandeln jubelnd, Und werfen die rothen Blüthen Lachend dem Kranken zu.

Plötzlich ertönt, So scharf und voll Betäubend fast Ein Chor von grillenden, schrillenden Stimmen.

Das ist der Cicadengesang, So oft von alten Dichtern gepriesen, Doch wehe! Kein andrer Ton dringt in mein Ohr,

Kein Baumgeflüster, Kein Vogelgesang, Und wiederhallen Die Felsen rings

Das klanglose taube Gezirpe. Doch eben so plötzlich Als es begann Verstummt es jetzt.

Und ein lieblich Schweigen Dehnt sich wollüstig Liebeathmend Durch den Raum des blauen Himmels,

Durch das blühende Thal Und über die lachenden Gebirge hin. Und meine Seele Strebt vergeblich

Worte zu finden, Ihr stilles Entzücken Sich und andern zu sagen.

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