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1894

Sorgen

Ludwig Thoma

Tiefe Sorgen sind nun eingeschlichen In das deutsche Heim. Mit kurzen Strichen Sei das ganze Elend dargestellt! Ochsen, Kühe, Schweine, Schafe, Kälber

Werden teuer. Reiche Leute selber Haben ihre Fleischkost eingestellt. Seufzend stehen in der kleinen Küche Unsre Frauchen. Alles geht in Brüche,

Und es schwindet das Familjenglück. Nicht das Herz allein, es hat der Magen In der Ehe sehr viel mitzusagen, Und der Fleischpreis gehet nie zurück.

Wer beschreibt die nächtlich wilden Szenen? Und wer zählt die bitterheißen Tränen Einer Gattin in dem Ehebett? Nicht mehr reizt die jugendliche Büste,

Es vergehen alle Fleischeslüste, Kriegt man täglich nur ein Omelett! Ja, der Staat wird es mit Reue merken! Kann der Bürger sich nicht besser stärken,

Dann erlischt die Liebe mehr und mehr. Und ich sehe schon in weiten Fernen Gänzlich ausgestorben die Kasernen, Ausgestorben seh ich Volk und Heer.

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