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1894

Männer und Schranzen

Ludwig Thoma

In den Gängen des Schlosses Drängt sich die bunte, Farbig gekleidete Menge. Schnurrbartstarrende,

Vorne bis hinten Durchgescheitelte Offiziere Werfen bedeutende Blicke um sich.

Und die blitzenden Orden Klirren vernehmlich Auf den gewölbten Soldatenbrüsten.

Neben ihnen die glattrasierten Schlüsselgeschmückten Kammerherren Mit dem erstarrten Künstlichen Lächeln

Um die Winkel des lügenden Mundes. Das flüstert und wispert, Und grüßt sich mit kalten, Katzengreulichen,

Falschen Augen. Das windet und schiebt sich Mit den höflichen Ellenbogen, Das gleitet lautlos

Den glattgewichsten Boden entlang. Da! Tiefe Stille.

Der hohe Adel Reckelt die Hälse, Richtet die scharfen, Kritisch spähenden Höflingsblicke

Zur geöffneten Flügeltür. Drei Gestalten In schwarzem Rock Treten herein. Die blanken Augen

Gleiten ruhig Die reich betreßte, Ordenflimmernde Schar entlang. Ganz unkundig der leicht gebückten

Vorgeschriebenen Rückenhaltung, Aufrecht gehen sie, ehrenfesten Schrittes einher. Botha, Dewet und

Delarey. Tänzelnd und hüpfend, Hierhin und dorthin Grüßend, führt sie der Hofmarschall.

Und er öffnet Ehrfurchtschauernd Die letzte Türe, Läßt sie hinein,

Die Glückbegabten, Vor das Antlitz der Majestät. Hinter ihnen Lautlos schließt sich die vielbegehrte,

Heiß umworbene Hohe Pforte. Wie im herbstlichen Buchenwalde In den dürren,

Vergilbten Blättern Raschelnd flüstert Der leise Wind, Also geht ein gedämpftes Raunen

Durch die Reihen des Hochgebornen. Das flüstert und zischelt Höhnisch lächelnd von groben Händen, Und von derben

Festgenagelten Bauernstiefeln. Aber mancher der seichten Spötter Sagt sich selber, Wenn er wirklich einmal nicht lügt,

Daß er heute das sonderbare, Nie gesehene Bild geschaut: Ehrlich blickende Feste Männer

Im Gewimmel der Hofeunuchen.

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