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1894

Heimarbeit

Ludwig Thoma

Die Mutter näht, die Tochter näht, Es wurde früh und es wurde spät, Das Mondlicht schien zum Fenster herein, Dann kam der dämmernde Morgenschein.

Die Mutter seufzt, die Tochter gähnt, Sie hat sich müde zurückgelehnt; Das Rad geht um, die Nadel tickt, Sie wäre beinahe eingenickt.

Sie redet müde vor sich hin: „Ach ja, die edle Kaiserin, Sie weiß es jetzt, wir sind schlimm dran, Und sagt es heute noch ihrem Mann.

Und, Mutter, wenn sie nun mit ihm spricht, Er soll uns helfen, so glaubst du nicht, Er wird uns helfen? Wenn er nur hört, Was seine Frau im Herzen empört?“

Die Mutter war eine Weile still. „Er will, mein Kind! O ja, er will, Doch mußt du wissen: die Armut heilt Nur, wer auch selber die Armut teilt.

Die Reichen, das ist eine andere Welt, Sie geben aus Mitleid von ihrem Geld, Und doch ist jeder von Abscheu berührt, Wenn er den Odem der Armut spürt.“

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