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1894

Frühlingsahnung

Ludwig Thoma

Herrgott, ich rieche Frühlingsluft! Es liegt so was wie Veilchenduft Um alle grünen Sträuche. Jetzt kommen vor die Ladentür

Die Krämersleute all herfür Und wärmen sich die Bäuche. Nun hat die Sonne wieder Kraft. Das ist die Zeit der Leidenschaft,

Wo alle Böcklein springen. Will mir ein Mädchen gnädig sein, Dann könnt es auch dem Dichterlein, Dem Dichterlein gelingen.

Der Teufel weiß, woran das liegt, Daß uns die Lust am Zipfel kriegt In diesen Frühlingszeiten. Ja selbst ein sanfter Mensch wird keck,

Mich könnte jetzt ein lieber Schneck Zum dümmsten Streich verleiten. Doch wenn es so geschehen müßt, Daß mich kein ledig Mädchen küßt,

Dann ist das allerbeste: Ich hüpf um eines andern Frau Und lebe wie der Kuckuck schlau Vergnügt im fremden Neste.

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