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1894

Frauenklage

Ludwig Thoma

In den heiß gewärmten Ehebetten Warten deutsche Frauen auf die Männchen. Diese meiden ihre Rosenketten, Sitzen lieber bei den vollen Kännchen.

Mancher, den ein legitimes, nacktes Weibchen lockt in aufgewühlten Kissen, Sitzt beim Kellnerfräulein, und er packt es Ohne Scheu vor Sittenhindernissen.

Früh am Morgen taumeln heim die Biedern, Rülpsend nahen sie dem Ehehafen, Nicht mehr fähig, Liebe zu erwidern, Und vom Drang' erfüllt, sich auszuschlafen.

Welche Bilder muß die Gattin sehen! Was vernimmt die Zärtliche an Tönen! Diese Laute, welche hier geschehen, Sie gehören nicht ins Reich des Schönen.

Amor flieht, vertrieben von Geräuschen, Die den Stempel der Gemeinheit tragen Und betreff der Herkunft niemand täuschen. Amor flieht, und deutsche Frauen klagen.

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