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1733

80. Der selige Wandel in der Gegenwart Gottes

Gerhard Tersteegen

Großer Gott, in dem ich schwebe, Menschenfreund, vor dem ich lebe, Höchstes Gut und Herr allein, Ich bet' an dein Nahesein.

Den die Engel bückend sehen Und mit tausend Lob erhöhen, Da du sitzest auf dem Thron, Du bist hier auch nahe schon.

Gottes Haus und Himmelspforte Ist hier und an jedem Orte, Du bist nie und nirgend weit; Ach, wo war ich sonst zerstreut!

Sachen dieser Welt ich sahe Und nicht dich, der du so nahe, Draußen ging ich wie ein Tier, Du, mein Gott, du warst in mir.

Spät erkannt' ich diese Lehre, Diesen Adel, diese Ehre, Deiner Gottheit Gegenwart, Unverrückt und innig zart.

Sollt' sich nicht mein Alles beugen Und in Liebesehrfurcht schweigen, Da ich, wo ich geh und steh, Meinen Gott vor Augen seh!

Sei gelobet und geliebet, Süßer Gott, der mich umgiebet, Daß du mir in Jesus Christ Näher als mein Herze bist!

Laß sich andre sonst zerstreuen, Ich will mich in Gott erfreuen, Den ich habe, wo ich bin; Nimm mein Herz, o Schönster, hin!

Ich will dies und das nicht wissen, Menschenzuspruch gerne missen, Daß ich dir Gesellschaft leist', Dich anbet' und schau im Geist.

Alles kann ich dir erzählen, Darf mit keiner Last mich quälen; Kann ich nicht mich selbst verstehn, Laß ich's dich, den Nahen, sehn.

Was ich denke und verrichte, Ist vor deinem Angesichte; Tun und Lassen, Freud' und Pein, Soll dir aufgeopfert sein.

Was ich bin von auß' und innen, Was nur vorkommt meinen Sinnen, Wär' die Sache noch so klein, Alles soll dein Opfer sein!

Bei dir sei ich im Erwachen, Mit dir tu ich meine Sachen, In dir man so sanfte ruht, Ach, mein Gott, und all mein Gut!

Mit dir, treuer Freund und Leiter, Reis' ich fort und immer weiter, Stille, bloß und unbekannt Hier hindurch zum Vaterland.

So vor Gottes Augen schweben, Das ist mir erst selig leben, Da man ohne Kunst und List An ihn denket, wo man ist.

Kommet denn, ihr lieben Kinder, Kommet auch, ihr armen Sünder, Denkt an Welt noch Sünd', noch Pein, Nur an Gottes Nahesein!

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