Skip to content
1733

78. Morgen- und Abendopfer

Gerhard Tersteegen

Wann sich die Sonn' erhebet, Die dieses Rund belebet, Bald grüß' ich dich, mein Licht; Wann sie sich wieder neiget,

Mein Geist vor dir sich beuget Mit innigster Anbetungspflicht. Die Sonne, Mond und Sterne, Was in der Näh und Ferne

Hier Schönes wird gesehn, Was sich auf Erden reget, Was Luft und Wasser heget, Soll mit mir deine Macht erhöhn.

Mit den viel tausend Chören Der Sel'gen, die dich ehren Vor deinem Throne da, Mit aller Engel Scharen

Will ich mein Liedlein paaren Und singen mit: Halleluja! Vor dich mit Ehrfurcht treten, Dich loben, dich anbeten,

O, davon lebet man. Wohl dem, den du erlesen, Du seligmachend Wesen, Daß er zu dir so nahen kann!

Die Zeit ist wie verschenket, Drin man nicht dein gedenket, Da hat man's nirgend gut; Weil du uns Herz und Leben

Allein für dich gegeben, Das Herz allein in dir auch ruht. Nun sich die Nacht geendet, Mein Herz zu dir sich wendet

Und danket inniglich. Dein holdes Angesichte Zum Segen auf mich richte, Erleuchte und entzünde mich!

Ich schließe mich aufs neue In deine Vatertreue Und Schutz und Herze ein. Die fleischlichen Geschäfte

Und alle finstern Kräfte Vertreibe durch dein Nahesein! Daß du mich stets umgiebest, Daß du mich herzlich liebest

Und rufst zu dir hinein, Daß du vergnügst alleine, So wesentlich, so reine, Laß früh und spät mir wichtig sein!

Ein Tag, der sagt dem andern, Mein Leben sei ein Wandern Zur großen Ewigkeit; O Ewigkeit, so schöne,

Mein Herz an dich gewöhne, Mein Heim ist nicht in dieser Zeit!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
78. Morgen- und Abendopfer · Gerhard Tersteegen · Poetry Cove