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1709–1763

Trost bey allerhand Mangel.

Christoph Eusebius Suppius

Mein Glücke friert! das Holz ist theuer, Ich habe keinen Kreuzer Geld! Zum Unglück ist der Sonnen Feuer Noch schwach in dem Kamin der Welt,

Doch will ich mich darum nicht härmen, Ich weiß noch diesen guten Rath, Wer weder Geld noch Holz im Winter hat, Der kann die Glieder ja bey fremden Feuer wärmen.

Allein, wo soll ich dieses finden, Daß man kein baares Geld bedarf? Ich drehe mich nach allen Winden, Doch ihre Luft ist gar zu scharf;

Nach Norden, Süden, Osten, Westen Wend ich die kalte Nas herum, Allein, was hilfts? ihr Abstand bleibet krumm, Man fragt an keinem Ort nach ungebetnen Gästen.

Ich will einmahl mein Glück versuchen, Und hier in einen Gasthof gehn; Herr Caupo fängt schon an zu fluchen, Er spricht: Bleibt vor der Thüre stehn;

Geld ist die Losung, die ich führe! Das ist mein wahres Element, Wer es nicht hat, und mich dazu nicht kennt, Den weiß ich wieder fort von meiner Stubenthüre.

Was ist dabey nun anzufangen? Geduld! wenn eine Grobheit kränkt; Dort ist ein Schild herausgehangen, Wo man Wein, Wind und Wasser schenkt,

Da muß ich hin! mit einem Glase Kommt man mir ins Gesicht gerannt: Was will der Herr? hier hat man allerhand? Nichts? o! zieht wieder ab mit eurer rothen Nase.

Wo soll man sich doch hinverfügen, Da starren Gliedern wohl geschieht? Bey denen Büchern krumm zu liegen, Erhitzt sehr selten das Geblüt,

In derer Philosophen Schriften Trifft man oft wenig Feuer an, Geh ich zu dem, was Kircher So ist es auch nicht warm in seinen Erdengrüften.

Mein Frost wird Damons Herze rühren! Nur fort! er ist von altem Schrot; Was sagen seine Stubenthüren? Ein Freund! nicht aber in der Noth;

Ich klopfe mit den steifen Knochen, Herr Bruder! Damon! aufgemacht! Was schallt zurück? Sein Diener! gute Nacht! Wir sehn uns morgen wohl! heut hab ich mich ver-

Die Großmuth lässt die Falschheit fahren, Sie kommt vor eines Gönners Haus, Da guckt der alte Greis von Jahren Verdrießlich zu der Thür heraus:

Es ist mir lieb, daß sie erschienen; Was wäre denn wohl ihr Begehr? Ich bitte nur ‒ ‒ Sie kommen wieder her! Ich will ein andermahl von Herzen gerne dienen.

Armseeliger! wohin? erwege! Kein Freund, kein Geld und kein Patron! Welch eine kalte Leibespflege Vor einen armen Musensohn!

Erwärme denn die starren Glieder In deiner dunkeln Einsamkeit, Geduld erhitzet auch! und mit der Zeit Wärmt ja das Himmelsfeur das Haus der Erden

Mein Glück wird warm! mich friert nicht weiter, Wer standhaft ist, verlacht die Welt; Der Himmel wird schon wieder heiter, Der wärmet jährlich ohne Geld,

Der Frost hat alle Kraft verlohren, Weil mich der Elends-Ofen wärmt, Drum hab ich mich vollkommen ausgehärmt, Denn meine Poesie ist nicht mit mir erfroren.

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