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1709–1763

Strenge Uebersetzung der siebenden Ode des vierten Buchs aus dem Horaz.

Christoph Eusebius Suppius

Der Schnee ist fort! das Gras besucht die Fel- der wieder, Den Bäumen wächst aufs neue schon das Haar, In anderer Gestalt stellt sich das Erdreich dar,

Und fallend läuft der Fluß am Ufer nieder. Das Drey der Gratien nebst Nymphen ihrer Arten Beginnt den Reihn entblößt an Leib und Haupt, Das Jahr, die Stunde, so den güldnen Tag ge-

raubt, Erinnert uns, nichts Ewigs zu erwarten. Der Zephir schmelzt den Frost, der Lenz schleppt im Verschwinden

Den heissen Sommer hinter sich darein, Schenkt der obstschwangre Herbst aus seinem Füll- horn ein, So folgt der träge Winter wieder hinden.

Den himmlischen Verlust ersetzt des Monden Schnelle, Hingegen fallen wir erst einmahl ab, Wie Ank, der reiche Tull, der fromm Enee ins

Grab, So sind wir Staub, ein Schatten dieser Schwelle. Wer weiß, ob zu der Zahl von heutgen Lebenstagen Noch GOtt einmahl die Zeit von Morgen legt?

Mit dem, was du verschenkt, aus Freundschafts- Trieb bewegt, Wird sich des Erben karge Hand nicht tragen. Bist du erst todt, daß es beym Minos dir gelinget,

Indem er dir das Urtheil herrlich spricht, So wird dich, mein Torqvat, Geschlecht und Zun- ge nicht Noch deine Gottesfurcht herwieder bringen.

Diana selbst befreyt von Höllenfinsternissen Auch nicht einmahl den keuschen Hyppolit, Das Heldenband, worinn sich Pirithous sieht, Hat Theseus, der ihn liebt, noch nicht zerrissen.

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