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1709–1763

Morgen-Andacht.

Christoph Eusebius Suppius

Tag! Gottlob! dich seh ich wieder, Der du diese Welt geweckt, Und was seine müden Glieder In den Schatten ausgestreckt;

Dein Erscheinen hat gemacht, Daß mein munter Aug erwacht. Was die Dunkelheit verborgen, Was in ihr versunken war,

Stellest du, o güldner Morgen! Gleichsam junggebohren dar, Ich erblick in Luft und Feld Eine neuerschaffne Welt.

Traurig hatt ich mich geleget, Gestern schlief ich furchtsam ein, Weil der Zweifel sich gereget: Wirst du auch noch morgen seyn?

Zwischen Schlaf und Sterbens-Zeit Ist fast gar kein Unterscheid. Aber ich bin auferstanden, Meine Tage dauren noch,

Auch bin ich gesund vorhanden; Seele, schwinge dich nun hoch, Stimme dem, der dieß gethan, Morgen Halleluja an!

HeRR der Tage! GOTT der Zeiten! Schöpfer, der die Welt erschuf! Dir will ich ein Lob bereiten, Das erfordert mein Beruf,

Weil Du, was vernünftig denkt, Meinem Körper eingesenkt. Höchster! sey von mir gepriesen, Ewig sey Dir Lob gebracht!

Mächtig hast Du Dich bewiesen In der abgewichnen Nacht, Daß mich mitten in dem Schlaf Kein verheerend Uebel traf.

Mit dankbarestem Gemüthe, Mit inbrünstigem Geschrey Rühm ich, Vater! deine Güte, Die an jedem Morgen neu:

Sie erhielt mich jedesmahl Durch so vieler Nächte Zahl. O mein GOtt! reich an Erbarmen, Welcher mich der Finsterniß

Dieser Nacht mit Retter-Armen Ohnbeschädiget entriß, Mund und Andacht stimmen an: Dieses hat der HErr gethan!

Vater! der Du meiner pflegest, Der Du mit so starker Wehr Dich um meinen Schlaf-Ort legest, Durch der guten Engel Heer,

Daß so manche Nacht verstrich, Wenn verdient ich das um Dich? In der Nacht des Mutterleibes, Eh ich noch vollkommen ward,

Wär ich, Sündenfrucht des Weibes, Alsbald wiederum verscharrt, Eh ich noch das Licht gesehn, Sollt es nach Verdiensten gehn.

Aber mir erschien ein Morgen; Durch das wundervolle Thor, Hinter welchem ich verborgen, Zog mich deine Hand hervor,

Und durch deine Vorsehung Ward ich ehedessen jung. Du bist meiner Kindheit Leiter, Meine Jugend wuchs durch Dich.

HeRR! sey ferner mein Begleiter, Will ich fallen, halte mich, Schleicht mein Alter bey das Grab, O! so sey mein Wanderstab.

Zeige mir den Weg der Tugend, Und gedenke künftighin Nicht der Sünden meiner Jugend, Gib mir einen neuen Sinn;

Daß ich früh mit jedem Tag Auch von Sünd erwachen mag. Seh ich denn die Morgenröthe, Geht die Sonne wieder auf,

Wiederhol ich im Gebete Den vollbrachten Lebenslauf, So sey des Erlösers Blut Mir zu der Versöhnung gut.

Wenn ich deiner Hände Werke, Deine Wunder der Natur Ehrfurchtsvoll mit Lust bemerke, So sey dieß die frühe Spuhr,

Und die Leiter himmelan, Wo ich zu Dir steigen kann. Hier laß Dich mich finden lernen, HeRR! der alles wohl gemacht,

Von der Erde zu den Sternen, Was ist da vor weise Pracht! Alle Himmel sagen her: Gott allein gebühret Ehr!

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