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1709–1763

Horazens Lob des Landlebens.

Christoph Eusebius Suppius

Glückseelig! welcher mit Vergnügen Von Aemtern frey, wie jene Welt gethan, Mit seinen eignen Ochsen kan Die väterlichen Aecker pflügen;

Und der sich keine Sorgen macht, Wieviel sein Wucher eingebracht. Kein Feldgeschrey darf ihn nicht wecken, Jhn schrecket nicht das ungestüme Meer,

Er meidet jene Schranken sehr, Die ihm den Richterstuhl entdecken; Und jener Grossen stolzem Haus Weicht er, so viel ihm möglich, aus.

Wogegen er in Feld und Garten Des jungen Weinstocks aufgeschossne Zucht Mit Pappeln zu vermählen sucht, Die Bäume pflegt er abzuwarten,

Sein Messer wird den faulen gramm Und pfropfet bessre auf den Stamm. Bald sieht er in verzäunten Waiden Sein blökend Vieh zerstreut in Heerden,

Bald kann er sich beschäftigt sehn Mit angenehmen Honigschneiden, Womit er leere Tonnen ziert, Auch wenn er seine Schafe schiert.

Hat erst der Herbst die grünen Zweige, Mit reifem Obst besät, empor gestreckt, Was wird ihm nicht für Lust erweckt! Er bricht die wunderschöne Feige

Von ihrem, vor dem Jahre kaum Erst fortgesetztem jungen Baum. Die Trauben liest er von den Ranken, Die oftermahls so schöne Farben zeigt,

Daß sie den Purpur übersteigt, Und hat sie euch schon in Gedanken Jhr Feldbeschützer zugedacht, Weil ihr sein Land so wohl bewacht.

Bald denkt er unter einer Eichen, Die hochbejahrt, den Gliedern wohl zu thun, Bald will er in dem Grase ruhn, Er sieht den Bach vorüber streichen,

Und hört den angenehmen Schall Von seines hohen Ufers Fall. Die Vögel singen in dem Walde, Es rauscht ein Qvell; das strudelnde Getön

Klingt seinen Ohren wunderschön, Und winkt dem sanften Schlafe balde; Es schließt ihm zu beqvemer Ruh Die Augen von sich selber zu.

Wenn aber nun des Winters Strenge Das Jahr mit Schnee und Regen überhäuft, Treibt er das Wild; der Eber läuft, Vom Hund verfolgt, ins Garnes Enge,

Worauf er, wie es ihm gefällt, Mit Netz und Schlingen Vogel stellt. Erschrockne Haasen kann er hetzen, Den Kranich, wenn er sich itzt bey dem Zug

In Schleifen selbst verwirrt genug, Entlediget er mit Ergetzen Die Lust erfreuet ungemein, Sie bringt auch manches Wildpret ein.

Wer wollte nun wohl nicht vergessen, Wenn uns der Geiz viel Ungemach erweckt, Und sonsten manche Sorgen heckt! Die keusche Frau beschickt indessen

Die lieben Kinder, Küch und Haus, Denn das macht ihr Geschäfte aus. Wie die Sabiner Weiber thaten, Ein nicht verwöhnt appulisch Angesicht,

Das rauhe Luft, der Sonnen Licht Ganz grob gemacht, und halb gebraten, So unverdrossen bey der Müh, Und treuen Sorgfalt sieht man sie.

So bald sie ohngefehr kann schliessen, Daß wohl nunmehr der müde Ehemann Den Feyerabend machen kann, Und er vielleicht wird kommen müssen,

So hat sie den geweihten Heert Bereits mit Holz zur Glut beschwert. Schleicht denn das liebe Vieh zur Hürden, So machet sie die starren Euter leer,

Denn holt sie Wein aus Fässern her, Bereitet ihren Tisch nach Würden, Den sie mit Speisen ohne Geld, Mit lauter Hausmannskost bestellt.

Lucriner-Austern ließ ich liegen, Lachs, Laberdan, Forellen noch vielmehr, Und brächte sie ein Sturm gleich her, Auch Schnepfen, die in Zara fliegen,

Selbst Hühner, her aus Calecut, Die wären mir doch nicht so gut Sie würden mir so wohl nicht schmecken Als wie den, der Oliven fette Frucht,

Die man vorher wohl ausgesucht, Auch so nicht den Geschmack erwecken, Als wie der Sauerampfer pflegt, Der gern auf Wiesen Wurzeln schlägt

Nicht wie die Datteln, so den Magen, Wenn er geschwächt, oft wieder gut gemacht, Nicht als ein Lamm, das man geschlacht Auf der Beschützer Feyertagen,

Und gleich dem Bock, den man den Biß Des Wolfes wiederum entriß. Wie schön ists, während solchem Essen Sein Schafvieh von der Waide kommen sehn,

Wie eilend sie zur Hürde gehn, Nachdem sie sich ganz satt gefressen, Der müden Ochsen träger Zug Schleppt langsam den verkehrten Pflug.

Er sieht den Schwarm erzogner Knechte, Die ihm sein Haus als Güther hat beschert, Sich lagern um den netten Heert, Und zwar von beyderley Geschlechte,

Als deren grosse Menge zeigt; Wie hoch wohl sein Vermögen steigt. So sprach nun Alphius verwichen Der Wuchrer, der im Sinn schon Landman war,

Nach diesem hat er ganz und gar Die Gelder wieder eingestrichen, Und suchet sie anjetzo nun Auf Wucher wieder auszuthun.

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